Hör auf zu werden - Du bist doch schon

Seitdem wir über die Planung und Umsetzung einer neuen Internetseite nachgedacht haben, war immer klar: wir brauchen einen Blog!

Perfekt – seit 2 Wochen ist es programmiert, im CMS angelegt und das Ganze wartet nur noch darauf mit Inhalten gefüllt zu werden. In meiner Fantasie waren sie im Grunde genommen schon alle geschrieben: brillante, unterhaltsame, unsere Kompetenz unterstreichende Artikel, die fröhlich in der digitalen Welt geteilt werden.

Seit 2 Wochen ist sehr viel passiert: auf jeden Fall in mir – nachlesbar da Draußen, nichts! Ich hatte fürs erste immer gute Ausreden parat: zu viel Arbeit, zu wenig Arbeit, zu wenig Inspiration, zu viel Inspiration, nicht die richtige Stimmung, zu wenig Ruhe, zu wenig Abstand etc.

Immerhin stand unser fünftägiger Kurzurlaub in Norden an (da, wo die Fähren nach Norderney und Juist ablegen), sodass ich mir und meiner Frau auch ständig signalisiert habe: Du, wenn wir erstmal weg sind, dann läuft es, dann habe ich Zeit und Ruhe und natürlich auch die Muße, endlich ein paar schicke Texte zu schreiben.

Nun, gerade ist der letzte Abend unseres Kurzurlaubs, in ein paar Stunden geht es zurück in die Stadt – und geschrieben habe ich in den ganzen letzten Tagen abgesehen von diesem Text: nichts!

Auch wenn ich nichts zu Papier gebracht habe, so habe ich diesen Zustand näher untersucht und daraus auch einige für mich entlastende Schlüsse ziehen können.

Das Ganze geht so:

Früher war mein Wert als Mensch im Grunde genommen nur mit meinem beruflichen Wert, meiner beruflichen Stellung verknüpft – ganz klar, ich musste etwas werden. Nämlich immer mehr, besser, erfolgreicher, um meinen Wert als Mensch zu erhöhen. Das habe ich solange und ausgiebig getan, dass ich immer wieder krank wurde. Doch irgendwann wollte ich das nicht mehr.

Wenn wir etwas verändern wollen, müssen wir etwas hinter uns lassen, etwas loslassen – ich ließ also das Werden los und entschloss mich, viel mehr zu sein. Zu Beginn fühlte sich das sehr unangenehm an, ich hatte Ängste und Zweifel, denn ich begann zu sein. Darin war ich noch sehr unerfahren.
Da war auch ständig eine Stimme, die mir sagte, dass es nicht genügt, einfach nur zu sein, ich solle mich schämen und ganz schnell wieder ein paar Ziele anstreben, um etwas zu werden.

Ich widerstand der Stimme, wurde Therapeut und machte mich selbstständig. Das gleiche wiederholte sich: ständig hatte ich eine Stimme in mir, die mir sagte, wie ich als Therapeut zu sein habe, wie ich als Therapeut werden sollte.

Da mich diese Stimme aber so oft krankgemacht hatte, hörte ich nicht mehr auf sie, sondern erlaubte mir als Mensch und Therapeut einfach zu sein.

Und das Tolle war: je mehr ich mir als Mensch erlaubte zu sein, umso erfolgreicher war ich als Therapeut, umso besser, wohler, gesünder ging es den Menschen, mit denen ich arbeitete. Denn ich konnte auch dem Therapeuten in mir erlauben einfach zu sein.

Vor 1,5 Jahren haben meine Frau und ich BoM gegründet – aus Lust und Interesse unser Sein zu erweitern, nicht nur im kleinen Kreis mit Menschen zu arbeiten, sondern auch in größeren Kreisen in der Wirtschaft tätig zu sein.

Die Situation ist recht interessant: da wir sehr viel sind, können wir nichts mehr verkaufen, denn das lädt andere ja meistens wieder mit der Idee ein, etwas zu werden. Das bedeutet, dass wir sehr schlechte Verkäufer für BoM sind. Wir leisten ja bereits einige Arbeit für größere Unternehmen – das ganze macht uns so viel Spaß, dass wir es gern mehr machen möchten.

Da uns aber im Moment kaum jemand kennt, stehen wir vor dem alten Marketing-Dilemma: Wir sind da, uns gibt es, aber kaum jemand weiß es.

Unsere bisherige Idee bisher war die alte: wir müssen akquirieren, tolle Texte schreiben, auf Veranstaltungen gehen etc. Da wir aber auch spüren, dass wir das nicht mehr sind, ist unser, mein altes Thema wiederaufgetaucht. Damit wir BoM bekannter machen können, müssen wir wieder etwas werden: Bessere Verkäufer, Akquisiteure, Netzwerker. Wir müssen unser Angebot auf Benefits runterbrechen, zu denen andere ja sagen können und diese kaufen wollen. Facebook, Twitter, Status-Meldungen auf allen Kanälen, Xing, LinkedIn befeuern etc.

Und dazu gehört auch, ganz großartige Texte für unseren Blog zu schreiben, damit andere sehen wie toll wir unsere Arbeit verstehen und machen, damit man uns kaufen mag.

Aber das geht nicht mehr. Das habe ich in den letzten 5 Tagen herausgefunden.

Es gibt die eine Seite in mir, die mir sagt, dass ich mich anstrengen muss, um etwas zu werden. Die nie zufrieden ist, egal, was ich schreibe, weil es zu inkompetent, zu ungeil, zu wenig frisiert und auf verkauft getrimmt ist. Schäm dich!

Es gibt aber auch eine andere Seite in mir, die ist einfach authentisch und gern da. Freu dich!

Diese Seite schätzen auch ganz viele hunderte Klienten aus den letzten Jahren meiner therapeutischen Tätigkeit. Und es gibt auch schon viele Menschen, Unternehmen, die das an BoM schätzen.

Ich habe mich entschlossen, mich darauf wieder zu konzentrieren: zu sein, da zu sein, in meine Tiefe zu gehen und zu spüren, einfach zu vertrauen, dass sich das nächste schon ergibt.

Ich höre wieder auf zu werden – ich bin.

Anstatt zu schreiben, habe ich das in den letzten Tagen wieder in meine innerliche, tägliche Praxis übernommen – ich bin einfach wieder.

Das fühlt sich gut an.

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